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Berichterstattung zur aktuellen Lage in Äthiopien

Dr. Fekadu Bekele

 09.12.2020

 

Es gibt kontroverse Berichterstattungen seitens einiger deutschen und anderer europäischen Medien in Bezug auf den Krieg, der seit 4.11.2020 im nördlichen Teil Äthiopiens, in der Provinz Tigray stattfindet. In dem am 24.11.2020 publizierten Artikel, im Spiegel, unter dem Titel, „Krieg in Äthiopien: ein Land vor dem Zerfall“ schrieb ein nicht namentlich genannter Autor, dass die Amharas Gräueltaten, wie Hinrichtungen und Plünderungen begangen hätten. Ferner schrieb er, dass die Amharas eine alte Rechnung zu begleichen hätten. In der Geschichte Äthiopiens als das Land sich zwei Mal gegen Italien verteidigen müsste, gab es keine Gräueltaten gegen italienische Soldaten.  In den kriegerischen Auseinandersetzungen gegen Ägypten und gegen den Sudan, und später auch gegen Somalia hatten die Amharas und andere Soldaten sich stets zivilisiert verhalten.  In allen diesen Auseinandersetzungen haben die Amharas keine Gräueltaten, wie Hinrichtungen und Plünderungen begangen. Die Quelle der Anschuldigungen, die in diesem Spiegel Artikel genannt werden, wurde nicht preisgegeben.

Dominic Johnson, der seit geraumer Zeit für die TAZ arbeitet, zitiert in seinem Artikel, der am 23.11.2020 erschienen ist, Dr. Abiy mit dem Satz „Danach wird es keine Gnade geben“. Mit diesem reißerischen Zitat lenkt Dominik Johnson die Aufmerksamkeit der Leser, von den eigentlichen Gründen des Krieges ab.  Der Autor zitiert einen Professor von der Universität Mekele: „Wie kann eine Regierung ihr eigenes Volk bombardieren?“  Hier wird beim Leser der Eindruck geweckt, dass die Zentralregierung in Addis den Krieg begonnen hätte, und strategische Positionen, die für die Bevölkerung sehr relevant sind, blind bombardiert. Fakt ist, dass die TPLF viele Wirtschaftszweige selbst zerstört hatten und somit der Weltgemeinschaft vermittelt haben, dass die äthiopischen Soldaten die Bombardierung initiiert haben. Selbst der Flughafen Axum, der ca. 500 Millionen amerikanische Dollar kostete, wurde von TPLF Milizen zerstört. In diesem nicht belegbaren Bericht versucht Dominik Johnson die Leser davon zu überzeugen, dass dieser Krieg sinnlos sei und dass die TPLF ohnehin mit ihren alt bekannten Methoden einen Guerillakrieg führen werden. Dominik Johnson behauptet, dass alle Tigrays unter Generalverdacht stehen und dass die Tigrays, die in Addis Abeba leben, verfolgt und inhaftiert werden. Diese Behauptung stimmt nicht mit der Realität überein, denn nur diejenigen, die mit der TPLF Regierung zusammengearbeitet haben, und nicht die mit normalen geschäftlichen Praktiken Reichtum angehäuft haben, und mit Schwarzmarktaktivitäten zu tun gehabt haben, werden verfolgt. Viele davon besitzen Kontos im Ausland und transferieren Geld im Auftrag der TPLF. Die meisten von ihnen besaßen auch Gewehren.

Christen Meier, ein Kolumnist der FAZ, schreibt am 16.11.2020, dass „Abiy Ahmed auf Stärke setzt.“  Ferner schreibt er, dass Abiy Ahmed seine eigenen Versprechungen gebrochen hätte, die er als Nobel Preisträger vor dem Komitee vorgetragen hat. Dr. Abiy hatte in der Tat gesagt, dass er sich bemüht „friedliche Verhältnisse zu schaffen.“  Dr. Abiy Ahmed hatte aber nicht versprochen, dass er tatenlos zuschaut, wenn seine eigenen Soldaten regelrecht hingerichtet werden.  Wenn eine von ausländischen Kräften gesteuerte, unterstützte und gut organisierte innerer Feind Militärkaserne angreift, und zahlreiche Soldaten hinrichtet, ist auch ein Friedennobelpreisträger verpflichtet eine adäquate Antwort zu geben.  Wenn die Souveränität des Landes gefährdet wird, und prompt angegriffen wird, ist der Premiermister verpflichtet die Armee zu mobilisieren, um das Land von dem Zerfall zu bewahren. Dies gilt auch für alle Regierungen dieser Welt.

Herr Manuel Eschner schreibt wiederum in der Zeitung, Der Standard (27.11.2020) mit dem Titel: „Ein Krieg mit Vorgeschichte- wie es zur Katastrophen in Äthiopien kam“, dass das Gleichgewicht, das bis vor zwei Jahren, existierte, von Dr. Abiy nicht gehalten werden könnte. Nach der Meinung von Herrn Manuel Eschner, kam der Krieg zustande, weil Premierminister Abiy, statt auf eine ethnische Koalition, auf die Einheitspartei, setzte. Kurzum liegt die Verantwortung für den jetzigen Krieg in Tigray, allein bei der Zentralregierung in Addis und nicht bei der TPLF, die in der Provinz Tigray ihr Hauptquartier haben. Wiederum behauptet Herr Johannes Dietrich, in einem Artikel vom 22.11.2020 in der Stuttgarter Zeitung, dass die Welt den Krieg nicht als einen „Bürgerkrieg“ wahrnimmt. In seinem Artikel versucht er den Eindruck zu erwecken, als ob der Krieg zwischen verfeindeten Volksgruppen geführt würde. Der jetzige Krieg ist aber kein Bürgerkrieg, sondern ist eine Notwehr gegen der TPLF und ihre Milizen. Die TPLF versucht aber die Weltgemeinschaft zu desinformieren, als ob diese Notwehr gegen die ganze Bevölkerung in Tigray gerichtet würde.  Es sollte jedem bekannt sein, dass das Hauptziel der TPLF ist wieder an die Macht zu kommen, um das Land nach den bekannten Methoden zu beherrschen und auszuplündern.

Wenn man die verschiedenen Zeitungen liest, die über diesen Krieg berichten, hat man den Eindruck, dass die Berichterstatter nicht gut informiert sind. Sie wissen auch nicht unter welchen Bedingungen die TPLF an die Macht kommen konnte. Sowohl die TPLF, die EPLF als auch die OLF haben im Namen des Befreiungskrieges gegen ihr eigenes Volk einen Stellvertreter Krieg geführt und am Ende haben alle diese Befreiungsbewegungen nichts erreicht. Normalerweise soll ein echter Befreiungskrieg emanzipatorisch sein. Wer im Namen der Befreiung zu Waffen greift, wird am Ende diktatorisch sein.

Um aber über den aktuellen Krieg vielmehr zu erfahren, möchte ich gerne einige Aspekte, die relevant sind zu den aktuellen Situationen, komprimiert darstellen.  Mit dieser Darstellung möchte ich die Leser aufmerksam machen, dass dieser Artikel nicht gegen der Bundes Regierung Deutschland gerichtet ist, sondern eine Stellungnahme gegen die falschen Berichterstattungen. Alle Regierungen, einschließlich der jetzigen Regierung unter Frau Dr. Angela Merkel haben stets eine zivilisierte, konstruktive und ausgewogene Politik gegenüber Äthiopien verfolgt. Ich bin überzeugt, dass Deutschland weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit Äthiopien anstrebt.

Die politische Situation vor der Machtergreifung der TPLF

Die TPLF hat eine lange Vorgeschichte, die diese Journalisten nicht kennen.  Nach der Befreiung Äthiopiens von Italien im Jahre 1942 versuchten Kinder der Banditen (Kollaborateuren), die mit dem faschistischen Italien sympathisierten, sich neu zu formieren.  Diese Gruppe führte einen Aufstand gegen das Regime von Kaiser Haile Selassie, wurde aber schnell zerschlagen. Trotzdem war das Regime von Kaiser Hailes Selassie sowohl politisch als auch wirtschaftlich sehr schwach um die Rolle Großbritannien zu unterminieren. Eritrea war bis 1952 unter britischer Verwaltung. Großbritannien übergab im Jahre 1952 die Verantwortung für das Gebiet an die Vereinten Nationen. Trotz Föderationsabkommen zwischen Äthiopien und Eritrea, wurde dieses Abkommen vom Kaiser Haile Selassie nicht respektiert.

Die strategisch nicht gut gedachte und widersprüchliche Politik von Kaiser Haile Selassie, die überwiegend eine feudale Politik war, konnte von verschiedenen Kräften ausgenutzt werden, um Äthiopien permanent zu destabilisieren. Meles Zenawi, der im Jahre 1991 Präsident, und später Premierminister des Landes werden konnte, gründete er die TPLF. Die Führungskräfte der TPLF stammten aber nicht aus bäuerlichen Familien, sondern ihre Väter waren gut situiert und konnten die Kinder in ausgewählten Schulen, wie General Wingate School, damals von den Briten verwaltet, geschickt werden.  Der Aufstieg von Meles und seinen Kameraden zu Guerillabewegung begann in solchen Schulen, wie General Wingate Secondary School. Die unter der Parole des Marxismus-Leninismus organisierten Studentenbewegungen, die kaum über die Kulturgeschichte des Landes verfügten, versuchten die Geschichte Äthiopiens zu dekonstruieren. Satt eine bürgerliche und aufgeklärte Bewegung, entwickelte sich eine Studentenbewegung, die eher destabilisierend wirkte.  Die Regierung von Kaiser Haile Selassie die keine Lösung parat hatte, begünstigte die Situation für solche Organisationen wie die TPLF und EPLF die sich insbesondere unter dem Banner des Marxismus- Leninismus versammelten. Es darf aber nicht der Eindruck erweckt werden, dass alle Mitglieder sowohl der TPLF als auch der EPLF mit der Politik von Meles und Isaias Afworki einverstanden wären. Viele Junge Leute, die die radikale Politik von Meles Zenawi und Isaias Afwerki ablehnten, wurden hingerichtet.

Die Revolution vom 1974, die zu dem Sturz des Kaiser Haile Selassie führte, begünstigte vielmehr solche Nationalitätenbewegungen wie die TPLF, die EPLF und die OLF.  Die Militärregierung, die wütend reagierte, führte gegen alle diese, und andere marxistische Organisationen einen erbitterten Krieg.  Länder, die sich kaum mit der politischen Situation des Landes anfreunden wollten, unterstützten alle diese Bewegungen, die dann zwangsläufig das ganze Land destabilisierte. Diese verwirrte Situation führte am Ende zu dem Sturz des Mengistu Regimes, der regelrecht von internationalen Medien als sozialistischer Diktator abgestempelt war. Mengistu Haile Mariam hatte aber keine sozialistische Ausbildung und auch keinen marxistischen Hintergrund, sondern besaß eine reine militärische Ausbildung. Er war mehrmals in Amerika, um seine militärische Ausbildung zu vertiefen. Es war also nicht seine sozialistische Ausbildung, sondern seine militärische Ausbildung und seine feudalistischen Hintergründe verantwortlich für seine Denkweise und Taten. Es muss vielen bekannt sein, warum die Militärs in Latein Amerika faschistisch geworden sind.  Die Vermengung des Feudalismus mit einer unaufgeklärten militärischen Ausbildung führt zwangsläufig zum diktatorischen Regime. In Äthiopien fand aber eine revolutionäre Entwicklung statt, welche der Masse der Bevölkerung sich anschließen konnte. Ausländische Kräfte wollten mit allen Mitteln verhindern, dass die Reformen in Äthiopien keine Früchte tragen werden. Die Durchführung der Reformen könnte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung verstärken. Deshalb muss die Umsetzung dieser Reformen verhindert werden.  Der Sturz von Mengistu Haile Mariam ebnete den Weg dann zu der Machtergreifung der TPLF.

 

Die Machtergreifung der TPLF

Die TPLF konnte nur an die Macht kommen mit der Unterstützung ausländischer Kräfte. Nur konnte mit der Unterstützung ausländischer Kräfte ihre Macht ausbauen und weitgehend die Wirtschaft kontrollieren.

Nach der Machtergreifung führte Meles Zenawi eine Ethnisierungspolitik ein, die das faschistische Italien während der Okkupationszeit praktizieren wollte. Nach diesem Plan müsste die bis dato praktizierte Aufteilung des Landes in Provinzen, die auch während der Zeit der Militärregierung reformiert wurde, aufgegeben werden. Meles Zenawi und Co. waren überzeugt nur so können die verschiedenen Ethnien echte Freiheiten genießen. Diese Politik wurde sowohl von Großbritannien als auch von der USA unterstützt. Warum Großbritannien als auch die Vereinigten Staaten die Ethnisierungspolitik von TPLF unterstützten, war nicht klar. Eine solche Politik widerspricht aber diametral der liberalen Politik und der Marktwirtschaft, die in den westlichen Ländern praktiziert werden. Es verhindert sogar die Entwicklung der Marktwirtschaft und die individuellen Freiheiten. Da eine künstliche Identität geschaffen wird, wird die Mobilität der Ressourcen, wie Kapital und Arbeitskraft von einem ethnischen Gebiet ins anderen verhindert. Es ist daher unverständlich und unlogisch warum die Kräfte, die erbittert gegen das angebliche sozialistische Modell kämpften um weltweit eine liberale Marktwirtschaft durchzusetzen, genau für Äthiopien eine ethnisch basierte Politik unterstützten.   Quasi versetzte die Ethnisierungspolitik von Meles und Co. das Land zurück in die Barbarei. Der sogenannte ethnisch basierte Föderalismus ist kein Föderalismus im wahrsten Sinne des Wortes. Ein echter Föderalismus braucht politische Reife und bürgerliche Freiheiten. Die Aufteilung Äthiopien in ethnische Einheiten nutzte allerdings die TPLF. Um Groß Tigray zu gründen, konnte die TPLF größere Gebiete einverleiben, und als Bestandteil Tigray deklariert.  Die Zwangseingliederung der Gebiete erzeugte Spannungen zwischen der TPLF und der Amharas.

Die Einführung einer ethnischen Politik begünstigte auch die Entstehung von Warlords, die Ressourcen in den jeweiligen Regionen ausplündern konnten.  Die schlauen Investoren vom Ausland, die die Unwissenheit der jeweiligen Warlords ausgenutzt hatten, setzen vielmehr auf einer Plantagenökonomie, die sklavenähnliche Verhältnisse begünstigte. Unter der Führung von TPLF konnten die Warlords eine Abmachung mit den sog. ausländischen Investoren tätigen, um das Land regelrecht auszuplündern. Diese Art von Plantagenökonomie verhinderte wiederum eine nachhaltige und systematische wirtschaftliche Entwicklung im ganzen Land. Es fand keine Wertschöpfung statt. Die Ressourcen werden unverarbeitet ins Ausland exportiert. Die für eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung notwendige kreislaufmäßige Beziehung zwischen Produktion, Entstehung von Einkommen und Konsum findet nicht statt.

Um das ganze Land zu kontrollieren, müsste der Staatsapparat zur Gunsten der TPLF umgebaut werden. Die TPLF, die keine systematische Militärausbildung hatten, konnten nach oben gelangen. Die gut ausgebildeten Soldaten von den ehemaligen Regierungen wurden systematisch aus ihren Posten entfernt. Der Sicherheitsapparat wurde auch mit Leuten die Loyal zu Meles Zenawi waren, besetzt.  Hinzu bildeten die TPLF eine Spezialmilitäreinheit aus, die faschistische Züge besaß. Die Aufgabe diese Militärs, die in Äthiopien als Agazi bekannt sind, ist die Verfolgung und Liquidierung von oppositionellen Kräften, die das System von Meles Zenawi ablehnten. Diese Spezialeinheiten haben tausende von Menschen umgebracht. Tausende von Leuten wurden in den Gefängnissen gefoltert.   Auf diese Art und Weise wurde der Staatsapparat repressiv aufgebaut. Die TPLF Regierung respektierte sogar ihre eigene Verfassung nicht. In der Verfassung steht klipp und klar, welche Aufgaben alle drei Organe, nämlich die Exekutive, die Legislative und das Parlament, haben. Trotzdem konnte die TPLF Regierung alle diese drei Organen kontrollieren. In dem die TPLF den Staatsapparat komplett kontrolliert, konnte sie machen was sie wollten.

Hinsichtlich dieser Analyse kann man sagen, dass es in Äthiopien keine Regierung gab, die das Volk von Äthiopien repräsentierte. Kurzum hatten die Äthiopier 27 Jahrelang eine Regierung, die nicht ihre Interessen vertrat.  Das Land hatte auch keine Souveränität. Politik wird nicht als Kunst verstanden um das Land systematisch aufzubauen, sondern wurde als Machinstrument verstanden, um das ganze Land zu destabilisieren. Die Äthiopier wurden nicht als Menschen wahrgenommen, die Gefühle und Träume haben. Unter Meles und Co. wurden alle Auseinandersetzungen militärisch gelöst. Diese Art von Politikverständnis destabilisierte das ganze Land, das allmählich den Verfall des korrupten Regimes von Meles und Co. beschleunigen konnte. Nach dem Tod von Meles Zenawi, der als Führungskraft der TPLF galt, konnten die übrigen TPLF Leute mit ihrer alt bekannten, teilen und herrschen Methode, nicht mehr regieren. Sie wurden gezwungen das Feld für neue Kräfte frei zu machen.

Die Wirtschaftspolitik der TPLF

Am Anfang dachte man, dass das Regime von Meles Zenawi, eine neue Wirtschaftspolitik einführen würde, um in erster Linie die Armut zu beseitigen und ganz langsam, aber sicher das Land aus der Unterentwicklung heraus zu holen. Stattdessen, führte das Regime von Meles Zenawi, diktiert von dem IWF und der Weltbank, eine neoliberale Wirtschaftspolitik ein, die vielmehr die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft auf der Basis von Wissenschaft und Technologie blockierte. Damit wurde auch eine systematische, Ressourcenschonende und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, die alle gesellschaftlichen Schichten nutzen würde, unmöglich gemacht.

Die Elemente der neoliberalen Wirtschaftspolitik vom IWF und der Weltbank sind bekannt. Abwertung der eigenen Währung, Privatisierung staatlich kontrollierten Betriebe, Liberalisierung der Wirtschaft und Reduzierung von Sozialausgaben usw. um einige zu nennen.  Diese Art von Maßnahmen dürfen aber nicht als Wirtschaftspolitik bezeichnet werden.  Erfahrungen und empirische Untersuchgen aus Latein- und Mittelamerika und auch aus vielen afrikanischen Länder, die das Strukturanpassungsprogramme (SAP)  des IWF und der Weltbank durchführen müssten, beweisen, dass das Programm eine eingebaute Mechanismus verfügt, die eher die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in jedem Land verzerrt. Es begünstigt eher die Entstehung von Oligarchen, die die Unterentwicklung zementierten. Es ebnet den Weg für die Militarisierung des Staatsapparates. Die Verquickung von oligarchischen Kräften und militarisierten Staatsapparates verhindert die Entwicklung demokratische Strukturen und auch die Entstehung einer aufgeklärten zivile Bewegung, die Machenschaften der Regierungen und ihre fehlgeleitete Wirtschaftspolitik aufdecken.

Die Wirtschaftspolitik der TPLF, wie oben beschrieben ist, begünstigte viel mehr die politischen Kader der TPLF. Im Namen der Liberalisierung konnten die TPLF Leute wichtige Wirtschaftszweige günstig kaufen und kontrollieren. Dadurch sind sie innerhalb wenigen Jahren Reich geworden.  Wichtige landwirtschaftliche Ressourcen, wie Anbau von Rohzucker, Sesam, Kaffee, Gold und andere Edelmetalle, usw. waren von der TPLF Leute kontrolliert. Diese Ressourcen wurden unverarbeitet ins Ausland exportiert. Diese Leute die innerhalb weniger Jahren Multimillionär werden konnten, konnten keine systematische Investitionen durchführen, die Arbeitsplatz schaffend sind. Stattdessen blühte der Dienstleistungssektor, der eher soziale und kulturelle Schäden herbeiführen konnte.

Die TPLF Leute wurden von den sog. ausländischen Experten beraten, die bei der Economic Commission for Africa (ECA) arbeiten. Die Mitarbeiter dieses Instituts sind maßgeblich daran beteiligt beim Bau von ca. zehn Zuckerfabriken. Um Rohstoffe für diese Fabriken zu gewinnen, muss Rohrzucker angebaut werden. Die Experten, die das Regime von Mels Zenawi beraten, konnten aber die Tragweite ihrer falschen Beratung nicht richtig nachvollziehen. Bekanntlich saugt der Anbau von Rohzucker viel Wasser aus dem Boden. Im Laufe der Zeit wird der Boden trocken. Ich hatte die Gelegenheit gehabt mit einigen Ökonomen dieses Instituts ins Gespräch zu kommen, konnten mir aber nicht mit ihren Vorhaben überzeugen.  Die Äthiopier brauchen in erste Linie Nahrungsmittel. Man könnte auf diesem Feld Weizen, Teff, Hirse und sonstige Nahrungsmittel anbauen, die für das Leben der Menschen sehr wichtig sind. In der letzten 27 Jahren haben solche „Economic Hitmen“ die Gelegenheit gehabt Armut und Elend auf dem äthiopischen Boden zu produzieren.

Wenn die politischen, wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Situationen so sind wie oben beschrieben sind, verstehe ich nicht diese einseitige Berichterstattung zur Gunsten der TPLF.  Eine objektive Berichterstattung setz voraus, dass man zuerst die politischen, militärischen, wirtschaftlichen und sozialen Situationen eines Landes sehr gut kennt. Man muss auch in der Lage sein eine empirische Untersuchung durchzuführen und theoretisch nach wissenschaftlichen Kriterien zu analysieren. Wenn man in Deutschland und anderen europäischen Länder geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen ist, und auch studiert hat, hat man auch die Möglichkeit eine Art komparative Studien zu machen. Durch die Brille der kapitalistischen Wirtschaft, staatliche Wirtschafts- und Sozialpolitik, Kultur und Technologie und sonstige politische Maßnahmen, kann man die Fehlentwicklungen in den Ländern wie Äthiopien besser beurteilen. Ich bin überzeugt, die Journalisten, die die TPLF als Regierung ansehen und versuchen das Regime zu unterstützen und verteidigen, haben die politischen ökonomischen und sozialen Situationen der letzten 27 Jahren nicht ganz genau verfolgt.

Der Krieg

Nach der Machtergreifung von Dr. Abiy Ahmed, versuchten die TPLF Leute mit allen Mitteln an die Macht wieder zu kommen. Sie benutzten das System, das sie 27 Jahrelang aufgebaut haben, um das Regime von Dr. Abiy zu destabilisieren. Sie führten einen regelrechten Krieg im gesamten Land. Sie haben abtrünnige Leute von der Oromo Liberation Front bewaffnet. Diese Gruppe führte einen barbarischen Krieg im Westen des Landes, in der Region von Wollega.  Sie haben Orthodoxe Christen umgebracht und Kirchen in den Brand gesetzt. Viele Amharas wurden umgebracht, bzw.  vertrieben. Mehr als 3 Millionen Leute wurden gezwungen auf der Straße zu leben. Dieser Krieg sollte die vielen kirchlichen und sonstigen Entwicklungshilfeorganisationen, die in sämtlichen Gebieten Äthiopiens arbeiten, bekannt sein. Die Botschaften von Deutschland und anderer europäische Länder müssen auch ausreichende Kenntnisse über die politische Lage des Landes haben. Die Botschaften haben auch die moralische Pflicht ihre Regierungen über die tatsächliche Situation in Äthiopien zu informieren.

In den Städten, insbesondere in der Hauptstadt arbeiten die TPLF Leute mit radikalen Elementen wie Jawar, der von Saudi-Arabien und Ägypten finanziert wird. Wiederum konnten die TPLF Leute von dem ägyptischen Machthaber Unterstützung bekommen. Trotz ihrer verräterischen Politik und deren Zusammenarbeit mit terroristischen Kräften, versuchte das Regime von Abiy die Situation zu deeskalieren und mit der TPLF ins Gespräch zu kommen.  Zuletzt haben sie in Zusammenarbeit mit Jawar und andere Gruppen, Hachalu Hundessa, eine der bekanntesten Oromo Sänger umgebracht. Ihr Plan war durch Chaos in der Hauptstadt einen Putsch durchzuführen.

Als alle diese Sabotageaktionen scheiterten, haben sie dann am 4.11.2020 die in der Region Tigray stationierten Soldaten, meistens Offiziere Mitten in der Nacht angegriffen und umgebracht. Schätzungsweise wurden über 800 Soldaten umgebracht.  Diese Soldaten haben jahrelang mit aus der Tigray stammenden Soldaten gut zusammengearbeitet. Kaum haben sie damit gerechnet bestialisch von ihrer Kammeraden umgebracht zu werden. Bekanntlich befinden sich ca. 80% der Waffen und Militärflugzeuge in der Provinz Tigray. Dr. Abiy versuchte vergeblich die Waffen zurück zu bringen.  Mit dieser letzten Karte, glaubten sie endlich nach Addis zu marschieren, um an die Macht zu kommen. Wie ein hochrangiger äthiopischer Offizier zum Ausdruck brachte, trotz des Verlustes der Kammeraden, ist diese letzte Aktion wie ein Gottesgeschenk.  Mit dieser letzten Aktion haben sie bewiesen, dass sie keine Prinzipien und intellektuelle Grundlagen haben. Ihre einzige Ideologie ist Macht und Gier, und Erniedrigung das Volk von Äthiopien.

Die Ermordung von diesen Soldaten konnte einfach nicht hingenommen werden. Die Regierung ist verpflichtet solche Terroristen mit allen Mitteln los zu werden. Es wäre unverantwortlich diese barbarische Aktion unbestraft hinzunehmen. Diesen erzwungenen Krieg, der an sich nicht gegen die Tigrays gerichtet ist, haben über 95% der äthiopischen Bevölkerung unterstützt. Sowohl materiell als auch spirituell haben sie die Soldaten unterstützt. Die Soldaten haben große Mühe gegeben keine materiellen und zivilen Schäden herbeizuführen. Jetzt ist ca. 95% der Region Tigray von der TPLF befreit. Für ihre Gräueltaten müssen die Führungskräfte der TPLF zur Verantwortung gezogen werden.  Diejenigen ausländischen Regierungen und internationale Organisationen, kurzum die internationale Gemeinschaft muss ihre Politik gegenüber Äthiopien prüfen. Sie müssen sich fragen, ob die Zusammenarbeit mit solchen Regimen wie der TPLF richtig war.   Sie müssen reflektieren, und sich fragen, wohin diese Art von Unterstützungen solche diktatorischen Regime führen würden. Eine solche Politik ist auch nicht im Interesse der Länder, die sich als zivilisiert bezeichnen.   Die Region braucht endlich Frieden. Die Menschen brauchen echte Freiheiten, ressourcenschonende und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.  Die Ressourcen dieser Erde reichen für alle Leute auf dieser Erde aus. Wenn man ein Regime unterstützt, die Demokratisierung der Gesellschaft voranzutreiben, individuelle Freiheiten fördert und wirtschaftliche Entwicklungen forciert, kann man viel erreichen. Eine solche Unterstützung ist auch im Interesse aller Länder.

Dr. Fekadu Bekele ist Entwicklungsökonom und politische Analyst und lebt in Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen gemacht. Unter anderem hat er ein Buch unter dem Titel: African Predicaments and the Method of solving them effectively, publiziert.

Für weitere Information besuchen Sie bitte meine Webseite.

                                                                                                      fekadubekele@gmx.de

www.fekadubekele.com

https://www.youtube.com/watch?v=EYOKC9CPKgA&feature=youtu.be

Cc

  • Frau Dr. Ursula von der Leyen, Präsident der Europäischen Kommission
  • Herr Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen
  • Herr Gerd Müller, Bundesminister für Entwicklungszusammenarbeit
  • Christliche Demokratische Unison Deutschlands/ Christlich- soziale Union
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands
  • Frau Botschafterin Brita Wagener, Deutsche Botschaft in Äthiopien
  • Bündnis 90/ DIE GRÜNEN
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