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Obwohl viele Artikel, die auf dieser Website veröffentlicht werden, in der amharischen Sprache verfasst sind, versuche ich, eine Vielzahl von Themen anzusprechen, die ebenfalls relevant sind, insbesondere für viele afrikanische Länder. Die Tatsache, dass ich nach Deutschland kam und die Chance bekam, Nationalökonomie und Entwicklungsökonomie zu studieren, gab mir die einmalige Gelegenheit, mich mit der Geistesgeschichte Europas, insbesondere Deutschlands, vertraut zu machen. Ich begann dann die Frage zu stellen, welche Bedeutung meine Qualifikation hat, um Äthiopien und andere afrikanische Länder aus der Armut und Unterentwicklung herauszuführen. Ich habe versucht, mein Studium an der Universität zu überprüfen und es mit einer Vielzahl von Wirtschaftsliteratur zu vergleichen, die von hochintellektuell denkenden deutschen Gelehrten entwickelt und geschrieben wurde, die anders dachten als der Mainstream. Die deutschen Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts dachten ganzheitlich und betonten die Bedeutung des rationalen Denkens als Werkzeug, um jede Gesellschaft nicht nur als eine Arena wirtschaftlicher Aktivität zu begreifen, sondern auch als viele verschiedene Aktivitäten, die das Produkt des menschlichen Geistes sind. Mit anderen Worten, der Mensch darf nicht auf bloße Produzenten und Konsumenten reduziert werden, sondern sollte auch als kulturelles, ethisches und soziales Wesen gesehen werden. Leider wird diese Art des Denkens, die die deutschen Philosophen und Dichter entwickelt und gepredigt haben, nicht in die Wirtschaftslehrbücher integriert. Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit wurden die neoklassischen und neoliberalen Denkschulen, die ihren Ursprung in England und Österreich haben, zur Lingua Franca jener Experten, die Wirtschaftspolitik für afrikanische und andere Länder der Dritten Welt formulieren. Ökonomische Gedanken,  die von Merkantilisten, von sozialkritischen Denkern wie Sismondi de Sismondi, von Nationalökonomen wie Friedrich List, die die klassische Doktrin von Adam Smith und Ricardo, insbesondere deren Doktrin der internationalen Arbeitsteilung, vehement kritisierten, und von radikalen Denkern wie Karl Marx, die sich systematisch mit der Genese des Kapitalismus, seiner Entwicklung von der einfachen Warenproduktion zu einer erweiterten Produktionsform und seinen widersprüchlichen Bewegungen etc. auseinandersetzten, entwickelt wurden, sind vom universitären Lehrplan ausgeschlossen. Studenten wie ich, die aus einer anderen sozialen Formation und aus sehr rückständigen Ländern kommen, solange sie nicht die Frage nach der Relevanz dieser Art einseitigen ökonomischen Denkens für die Lösung der komplexen Probleme ihrer Länder stellen, stärken sie vielmehr die bestehenden sozialen Realitäten. Statt Armut und Hunger auszurotten, vertiefen sie diese vielmehr. Nicht umsonst sehen wir nach 60 Jahren politischer Unabhängigkeit in vielen afrikanischen Ländern chaotische Situationen.

Durch die philosophischen und wissenschaftsbezogenen Bücher, die aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben sind, wurde mir damals klar, dass die neoklassische Wirtschaftsdoktrin, die ich erzogen wurde, keine Relevanz hat, um eine echte Entwicklung in Äthiopien und anderen afrikanischen Ländern herbeizuführen. Anstatt Licht ins Dunkel zu bringen, verdunkelt sie den Verstand. Neoklassische und Neoliberale Theorien können daher niemanden in die Lage versetzen, die sozialen Realitäten, die vor Ort existieren, und die politischen Beziehungen, die in einem bestimmten Land herrschen, richtig zu lesen. Die Debatte über Entwicklung und Unterentwicklung und die kontroversen Diskussionen über die Transformation des Kapitalismus vom Feudalismus, die von marxistischen Gelehrten und anderen aufgeklärten Intellektuellen aufgeworfen und debattiert wurden, beweisen mein Urteilsvermögen. Damals wurde mir klar, wie der globale Kapitalismus und seine Akteure alles auf den Kopf stellen und die Dinge für unschuldige Menschen in vielen Ländern der Dritten Welt sehr kompliziert machen. Die politische, wirtschaftliche und militärische Elite in vielen afrikanischen Ländern, und auch in meinem Land, ist einfach das Opfer eines derart schlecht formulierten Bildungssystems. Warum Diktatur und schlechte Regierungsführung die dominierenden Faktoren in vielen afrikanischen Ländern sind, sollte dann nicht ein Geheimnis für viele sein, die alle meine Artikel lesen. Diktatur und schlechte Regierungsführung sind Nebenprodukte des globalen Kapitalismus. Daher sind die chaotischen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in vielen afrikanischen Ländern lediglich die Produkte des globalen Kapitalismus. Der globale Kapitalismus extrahiert Reichtum und transferiert ihn in die westlichen Metropolen, wenn die Situationen in vielen afrikanischen Ländern chaotisch organisiert sind. Die Kriege in vielen verschiedenen Teilen Afrikas, der Krieg, der unter dem Vorwand des Kampfes gegen den islamischen Terrorismus geführt wird, ist nichts anderes, als die Aufmerksamkeit der afrikanischen Regierungen von den realen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen abzulenken. Deshalb untergräbt der globale Kapitalismus die wahre menschliche Freiheit, Solidarität und den Frieden.

Von diesem Gesichtspunkt aus habe ich versucht, meine Sichtweise zu entwickeln, wie eine echte wirtschaftliche Entwicklung aussehen sollte. Eine echte Entwicklung sollte und muss Philosophie, Politik, Wirtschaft, Soziologie, Kunst, Architektur und allgemein das, was wir Kultur nennen, umfassen. Kurz gesagt, Entwicklung sollte nicht losgelöst von geistigen und intellektuellen Aktivitäten gesehen werden. Wirtschaftliche Entwicklung, die von dieser Art des Denkens losgelöst ist, wird früher oder später in die Katastrophe führen. Alle Artikel, die auf dieser Website veröffentlicht werden, sind unter diesem Gesichtspunkt geschrieben und haben erzieherischen Charakter. Diejenigen, die die Artikel lesen, finden sehr wichtige Konzepte wie rationales Denken und Bewusstsein, die für das gesamte menschliche Leben sehr relevant sind.

In meinem Buch „African Predicaments and the Method of Solving them Effectively“, habe ich versucht zu zeigen, wie eine echte wirtschaftliche Entwicklung aussehen sollte. Die meisten Artikel, die auf dieser Website veröffentlicht werden, beinhalten mehr oder weniger die gleichen strategischen Konzepte.

  1. Alle afrikanischen Länder brauchen politische Reformen. Ohne politische Reformen und ohne Massenbeteiligung am politischen Prozess kann es keine echte wirtschaftliche Entwicklung geben.
  2. Die Massen in jedem afrikanischen Land müssen auf verschiedenen Ebenen organisiert werden, um ihre Probleme zu lösen. Arbeiter, Bauern, Jugendliche und Frauen sollten organisiert werden, um ihre Probleme anzugehen.
  3. Afrikanische Regierungen sollten eine Alphabetisierungskampagne einführen. Wenn  die Menschen lesen und schreiben können, können sie sich besser artikulieren und könnten die lokalen Behörden herausfordern.
  1. Um die Alphabetisierungskampagne wirksamer zu gestalten, muss sie von besonderen Arten öffentlicher Schulen unterstützt werden, die eine Vielzahl von Spezialisierungen umfassen, die es den Teilnehmern ermöglichen, ihre Probleme zu lösen.
  1. Die Demokratisierung des politischen Prozesses kann nur möglich sein, wenn die  Massen mit dem notwendigen Wissen ausgestattet werden.
  1. Um menschliche und natürliche Ressourcen zu mobilisieren, brauchen die afrikanischen Länder wirksame und Moderne Institutionen. Institutionen haben auch bindende und stabilisierende Aspekte.  Gemeinschaftsaufbau und andere Basisorganisationen können nur möglich sein, wenn es öffentliche Institutionen auf lokaler und regionaler Ebene gibt.
  1. Der gesamte politische Prozess sollte durch ein Bildungssystem unterstützt werden, dass die Schüler befähigt, Fragen aufzuwerfen und Probleme zu lösen.
  1. Um eine echte soziale und wirtschaftliche Entwicklung in jedem afrikanischen Land zu erreichen, sollten die afrikanischen Regierungen die Neoliberale Wirtschaftspolitik aufgeben. Mit einer Neoliberalen Wirtschaftspolitik kann man keinen wirklichen nationalen Reichtum schaffen und die Armut ausmerzen.
  2. Eine nach innen gerichteter Strategie ist die wirksamste Wirtschaftspolitik, die die Armut beseitigen und die Arbeitslosigkeit verringern kann.
  3. Das Hauptziel einer echten Wirtschaftspolitik sollte darin bestehen, die Probleme der Grundbedürfnisse einer bestimmten Gesellschaft zu lösen. Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, angemessener Unterkunft und die Einführung eines Gesundheitssystems, das auch die traditionelle oder alternative Medizin einschließt, sind die Themen, denen jede Regierung Vorrang einräumen sollte.
  1. Um die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen zu lösen, die in jedem afrikanischen Land vorherrschen, sollten sich die afrikanischen Regierungen auf sich selbst und ihr Volk verlassen.
  1. Ausländische Hilfe und Beratung können die Probleme Afrikas nicht lösen. Sie  verschlimmern vielmehr die Situationen.
  1. Das Hauptziel der gesamten Politik sollte die Schaffung einer neuen Gesellschaft sein, die auf Solidarität, gegenseitigem Respekt, sozialer Verantwortung, ökologischem Bewusstsein und politischem Bewusstsein beruht.